Unisex-Tarife lassen Prämien steigen

Unisex-Tarife lassen Prämien steigen

zuletzt aktualisiert: 30.12.2011

 

Die Unisex-Tarife, die die Versicherungen auf Verlangen des Europäischen Gerichtshofes ab dem Jahr 2013 einführen müssen, werden für viele Versicherungskunden wohl erhebliche Kostensteigerungen mit sich bringen. Einer Studie zufolge sind in manchen Bereichen Prämienerhöhungen von 30 Prozent und mehr zu erwarten. Noch nicht abschließend geklärt ist, wie sich die Einführung der Unisex-Tarife auf Bestandsverträge auswirken wird.

Unisex-Tarife – das hört sich eigentlich zunächst einmal nicht schlecht an. Denn was der Europäische Gerichtshof mit seiner Entscheidung bezweckte war, dass künftig die Höhe der Versicherungsbeiträge nicht mehr geschlechtsabhängig kalkuliert werden darf und somit Männer und Frauen bei der Prämienberechnung künftig gleichgestellt sind. Bis Ende 2012 sollen die Versicherer Modelle erarbeitet haben, wie sie die Vorgaben aus Brüssel umsetzen wollen. Doch die Folgen werden für die Versicherungskunden mitunter dramatisch ausfallen, da bislang risikoarme Kundengruppen aufgrund der nicht mehr zulässigen geschlechtsspezifischen Kalkulation der Beiträge kräftig draufzahlen müssen.

 

Unisex-Tarife führen teils zu drastischen Beitragserhöhungen.

Die Unisex-Tarife lassen es nämlich nicht mehr zu, dass Männer in der privaten Krankenversicherung deutlich geringere Beiträge entrichten müssen als Frauen, weil Männer ein durch geringere Lebenserwartung und fehlende Kostenrisiken wie etwa Schwangerschaften und Entbindungen niedrigeres Kostenrisiko darstellen.

Künftig wird es wohl zu einer Mischkalkulation kommen – und die kann Männern bei Neuabschlüssen von Unisex-Tarifen um bis zu 35 Prozent höhere Beiträge bescheren.

Doch: Des einen Leid, des andern Freud – Frauen dürften künftig weniger für ihren Versicherungsschutz bezahlen müssen. Wenigstens in der Privaten Krankenversicherung (PKV) – in der Risikolebensversicherung etwa müssen sich dagegen die weiblichen Versicherungsnehmer auf um „mindestens 30 Prozent“ gestiegene Beiträge einrichten. Und auch jungen weiblichen Autofahrern steht wohl ein finanzieller Aderlass bevor: Bis zu elf Prozent höhere Beiträge sagt die Studie einer Beratungsfirma voraus.

 

Die neuen Unisex-Tarife sind das Ergebnis einer Rüge des Europäischen Gerichtshofes, der die Ungleichbehandlung der Geschlechter durch die geschlechtsspezifischen Tarife bemängelt hatte. Bis Ende 2012 haben die Versicherungsunternehmen nun Zeit, Modelle zu entwickeln, die künftig die Gleichbehandlung von Männern und Frauen bei den Versicherungsbeiträgen sicherstellen. Ausnahmen sollen nur in wenigen Fällen gestattet werden.

Ob Altverträge von Unisex-Tarifen betroffen sind, ist noch unklar.

Altverträge sollen von der EU-Leitlinie nicht betroffen sein, doch es ist fraglich, ob dieses Ziel tatsächlich erreicht wird. Schon jetzt hat die Barmenia Versicherung drauf hingewiesen, dass in den privaten Krankenversicherungen die Kunden jederzeit von einem Tarif in einen anderen wechseln könnten – zukünftig also auch in die neu zu schaffenden Unisex-Tarife. Verwerfungen in der Versichertenstruktur seien die mögliche Folge, wenn die Kunden von dieser Möglichkeit Gebrauch machten. Die Beitragskalkulation, die auf Lebenszeit ausgelegt sei, wäre in risikogerechter Weise dann kaum noch möglich, zumindest aber erschwert. Das spreche dafür, auch die Bestandsverträge auf Unisex-Tarife umzustellen. Die Hanse-Merkur dagegen spricht sich gegen die Ausweitung der Unisex-Tarife auf Altverträge aus, da es sich dabei auch um einen Eingriff in die Alterungsrückstellungen der Versicherten handele. Das aber sei ein gravierender Verstoß gegen Grundprinzipien des privaten Krankenversicherungsschutzes.

Die vom Europäischen Gerichtshof geforderten Modelle liegen bislang noch nicht vor. Frühestens Mitte 2012 soll es so weit sein – und erst dann wird sich zeigen, ob der EuGH mit seiner Vorgabe auch sein Ziel erreicht, mit den Unisex-Tarifen mehr Gerechtigkeit zu schaffen.(rm)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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