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Statistik der Arbeitsagentur durch Schreibtisch-Diagnosen entlastet?

Die Statistik der Arbeitsagentur steht nicht zum ersten Mal in der Kritik. Schon in der Vergangenheit wurde an so manchem Stammtisch gemutmaßt, dass die veröffentlichten Zahlen vor allem in Wahlkampfzeiten geschönt sind und so mancher Arbeitslose in der Statistik der Arbeitsagentur gar nicht auftaucht, weil er in einer der zahlreichen Maßnahmen versteckt wird.

 

Neue Nahrung erhalten solche Gerüchte derzeit durch Medienberichte, in denen über die psychologischen Dienste der Arbeitsagenturen berichtet wird. Ärztliche Dienste und Gutachter hätten arbeitswillige Arbeitslose mitunter als “geistig behindert” eingestuft – ohne je einen Arzt zu Gesicht bekommen zu haben. Grundlage für die Einstufung war ein psychologischer Test, dem von Arbeitssuchenden zugestimmt wurde, weil man sich davon Vorteile bei der Jobsuche versprach. Statt dessen die Diagnose “geistig behindert” – mit der Folge, dass den Betroffenen Arbeiten zum Beispiel in Behindertenwerkstätten angeboten werden und die Arbeitsagentur sie nicht mehr in der Statistik führen muss.

 

Betriebliches Praktikum erfolgreicher als Bewerbungstraining

Den Experten zufolge könnte ein Grund für den Misserfolg darin liegen, dass das Bewerbungstraining – oft auf Wunsch der Arbeitsagentur absolviert – zu wenig auf die speziellen Probleme der einzelnen Teilnehmer zugeschnitten ist. Die Daten ließen vermuten, dass häufig Personen von der Arbeitsagentur zum Bewerbungstraining geschickt würden, die es eigentlich nicht bräuchten.

 

Ein solcher Fall, der sich in Magdeburg ereignete, wurde unlängst vom ARD-Magazin “Monitor” dokumentiert. Der Mitarbeiter der Arbeitsagentur konnte nicht erklären, wie es genau zu der Einstufung einer jahrelang berufstätigen Frau, die unter anderem zwei Kinder erfolgreich großgezogen hat, als “geistig behindert” gekommen war – dies sei Sache des Gutachters bzw. des ärztlichen Dienstes. Das Testergebnis selbst wies im vorliegenden Fall lediglich teilweise “eingeschränkte intellektuelle Fähigkeiten” aus – wie es auf diesem Test basierend ohne weitere ärztliche Untersuchung zur Feststellung einer geistigen Behinderung gekommen war, blieb im Dunkel.

 

Nun könnte das unter normalen Umständen als bedauerlicher Einzelfall gewertet werden, aber seitens des Landschaftsverbandes Rheinland, selbst Träger solcher Einrichtungen, ist zu hören, dass die Arbeitsagenturen zunehmend Menschen an solche Einrichtungen verweisen – und zwar Menschen, die aufgrund ihrer Fähigkeiten und Wünsche eigentlich auf dem ersten und zweiten Arbeitsmarkt tätig werden wollen.  Für die Betroffenen ein herber Schlag, wenn sie mit einem kleinen bürokratischen Federstrich zu “geistig Behinderten” erklärt werden und die Aussicht auf einen regulären Job immer kleiner wird – für die Statistik der Arbeitsagentur dagegen eine willkommene Entlastung.