Pflegeversicherung & Pflege

    Pflegeversicherung: DIA - Institut schlägt Finanzierung der ersten Pflege-Jahre in Eigenregie vor.

zuletzt aktualisiert: 21.05.2011

 

Die in den kommenden Jahren zwangsläufig steigenden Pflegekosten stellen die Pflegeversicherung vor erhebliche Probleme. Das Deutsche Institut für Altersvorsorge schlägt nun ein neues Modell zur Finanzierung der Pflege vor - das für die Betroffenen teuer werden kann.

 


1,95 % des Bruttolohns werden auf Sicht nicht reichen: Fachleute gehen davon aus, dass der gegenwärtige Satz zur Finanzierung der Pflegeversicherung in Zukunft nicht genügen wird. Womit sich die Frage stellt, wie eine bedarfsgerechte Pflege finanziert werden soll. Das Deutsche Institut für Altersvorsorge wirft jetzt einen neuen Vorschlag in die Diskussion: Die ersten Jahre der Pflege soll jeder selbst bezahlen und dafür eine private Kapitalanlage abschließen, die gesetzlich vorgeschrieben werden soll.

Anders als mit privater Vorsorge könne den DIA-Forschern zufolge kaum auf die drohenden Entwicklungen reagiert werden. In einem rein umlagefinanzierten System der Pflegeversicherung gäbe es bei steigenden Gesamtkosten schließlich nur zwei Möglichkeiten: entweder die Beiträge zu erhöhen oder die Leistungen zu reduzieren.

Die Autoren schlagen daher ein sogenanntes “Karenzzeit-Modell” vor: “Leichtere” Pflegefälle sollen demnach in den ersten ein, zwei oder drei Jahren keine Leistungen erhalten. Damit die anfallenden Kosten aber bezahlt werden können, sollen diese in einer kapitalgedeckten, privatwirtschaftlich organisierten Pflegeversicherung abgesichert werden. So könnten die Beitragssätze zur gesetzlichen Pflegeversicherung langfristig stabil gehalten werden. Verantwortlich für das Karenzzeit-Modell zeichnet Professor Doktor Bernd Raffelhüschen vom Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg.

Was ist von dem Vorschlag des DIA zu halten?

Darüber mag sich jeder selbst ein Urteil bilden - aber dabei helfen vielleicht ein paar zusätzliche Informationen: Professor Doktor Raffelhüschen ist nicht nur Lehrstuhlinhaber am Institut für Volkswirtschaftslehre und Finanzwissenschaft der Universität Freiburg - er ist auch Mitglied im Aufsichtsrat der ERGO-Versicherungsgruppe und der Volksbank Freiburg. Darüber hinaus war er wissenschaftlicher Berater der in der ERGO aufgegangenenen Viktoria Versicherung AG. Auch auf Veranstaltungen des Finanzdienstleisters MLP AG war er ein gern gesehener Gast und Redner. Wegen seiner Nebentätigkeiten in der Versicherungswirtschaft stand Raffelhüschen Online-Medien zufolge wiederholt in der Kritik.

Damit endet die Verzahnung mit der Finanzwirtschaft allerdings nicht - denn das “Deutsche Institut für Altersvorsorge” darf wohl ebenfalls mit einer gewissen Skepsis betrachtet werden: Die Gesellschafter des DIA sind die Deutsche Bank, die Deutsche Bank Bauspar AG, die DWS Investment GmbH und der Deutsche Herold. Und um das Bild abzurunden, ist der Geschäftsführer des DIA, Werner Janzen, gleichzeitig Produktmanager Versicherungen bei der Deutschen Bank.

Das Interesse der genannten Versicherer und Finanzdienstleister an einer zusätzlichen gesetzlich vorgeschriebenen Altersvorsorge auf privater Basis ist ohne Zweifel nachvollziehbar. Die Begründung erscheint dem einen oder anderen jedoch möglicherweise abenteuerlich: Sicherlich mag es möglich sein, den Beitragssatz der gesetzlichen Pflegeversicherung mit diesem Konzept stabil zu halten - doch was hätte der Versicherte davon, wenn er stattdessen gezwungen wird, zusätzliche Mittel in einen privaten Vorsorgevertrag zu stecken?

Zumal der Versicherte - einmal abgesehen von den Unwägbarkeiten der Beitragskalkulation - in jedem Fall auch die Gebühren der Anbieter zu tragen hätte - und die sind bei Altersvorsorgeprodukten in der Vergangenheit nicht eben als besonders günstig in Erinnerung geblieben.

Fazit: Das DIA hat sich offenbar eines zweifellos vorhandenen Problems bedient, um einen Vorstoß zu lancieren, mit dessen Realisierung sich ungeheure Geldströme über Versicherer und Finanzdienstleister ergießen würden. Das wäre sicherlich sehr im Interesse der Finanzbranche - aber wohl kaum im Interesse des Versicherten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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