Krankenkassen Zusatzbeitrag

Die Krankenkassen und der Zusatzbeitrag: Wo geht die Reise hin?

zuletzt aktualisiert: 04.05.2011

 

Experten erwarten in naher Zukunft, dass weitere Krankenkassen einen Zusatzbeitrag erheben oder ihren bestehenden Zusatzbeitrag erhöhen werden. Wie geht es mit dem Zusatzbeitrag weiter? Eine Prognose.

 

Prinzipiell dürften viele Weichen für die Zukunft einiger Kassen bereits gestellt sein, auch wenn dies teilweise noch heftig dementiert wird. Die Entscheidung, einen Zusatzbeitrag einzuführen, dürfte auch das Schicksal mancher - auch großer - Krankenkasse besiegelt haben. Denn mit dem Zusatzbeitrag kam auch die Abstrafung durch die Mitglieder - die “Abstimmung mit den Füßen”. Zu Hunderttausenden haben die Mitglieder ihre  Krankenkassen fluchtartig verlassen, wenn diese den Zusatzbeitrag erhoben - besonders die DAK hat unter der Mitgliederflucht stark gelitten.

Nun scheint sich mit dem Ende der City BKK ein Trend zu bestätigen, den man auch durch die Aussagen des Präsidenten des Bundesversicherungsamtes, Dr. Maximilian Gaßner, bestätigt sehen kann. Denn dessen Ausführungen zufolge hatte die City BKK im ersten Quartal 2011 “außerordentlich hohe Mitgliederabgänge” zu verkraften, was ihr letztlich nicht gelungen ist. Auch erwähnt Gaßner “einen großen Anteil Versicherter mit weit überdurchschnittlichen Leistungsausgaben”.

 


Zugegeben - dieser Anteil hat die City BKK schon vorher geprägt. Doch entscheidend für das Aus der City BKK ist das Ungleichgewicht zwischen den verhältnismäßig wenigen jungen, gesunden Betragszahlern, die wenig Krankheitskosten verursachen und dem großen Anteil kostenintensiver Versicherter. Und vor den Zusatzbeiträgen fliehen - das tun überwiegend die jungen und gesunden Mitglieder - diesen Trend hatte schon die DAK beklagt, der die Mitglieder infolge Zusatzbeitrag in Scharen davonliefen.

Das bedeutet: Jede Kasse wird es so lang wie irgend möglich hinauszögern, Zusatzbeiträge zu erheben oder gar zu erhöhen. Nicht nur, dass umgehend eine Kündigungswelle der Mitglieder einsetzen würde - es dürften auch gerade die Mitglieder gehen, die zusätzliche finanzielle Belastungen besonders schmerzen - meist junge Mitglieder mit verhältnismäßig niedrigen Einkommen - aber eben auch weit geringeren Krankheitskosten. Also genau die Mitglieder, die die hohen Kosten älterer Kassenmitglieder kompensieren.

Die Kassen verlören also doppelt: Zum einen natürlich das zahlende Mitglied an sich. Aber auch die Versichertenstruktur würde leiden. Am Ende stehen sinkende Beitragseinnahmen, aber nahezu unveränderte Kosten - genau die Konstellation, die der City BKK jetzt das Genick gebrochen hat.

Aber: Die Entwicklung hat auch Gewinner. Kassen wie die Barmer GEK oder die Techniker Krankenkasse haben durch die Entscheidung, auf einen Zusatzbeitrag zu verzichten, massiv Mitglieder hinzugewinnen können. Und auch hier gilt: In erster Linie junge, gesunde Mitglieder, die wenig Kosten verursachen. Was bedeutet, dass sich bei diesen Krankenkassen die Versichertenstruktur sehr positiv verändert, hin zu mehr Beiträgen, aber anteilig sinkenden Kosten. Diesen Kassen fällt es naturgemäß recht leicht, auch für die Folgejahre “keinen Zusatzbeitrag” in Aussicht zu stellen - und damit weitere Mitglieder zu gewinnen.

Zusatzbeitrag-Kassen hingegen müssen den steigenden Anteil kostenträchtiger Versicherter anders kompensieren: Durch Personalabbau und Verwaltungskosten-Senkung, Reduzierung von Leistungen - oder eben Erhöhung des Zusatzbeitrages, was zu einer Verstärkung der Mitgliederfluchten führen würde. Doch letztlich - so die Prognose an dieser Stelle - wird der Teufelskreis nicht durchbrochen werden können. Letztlich brauchen Barmer, Techniker & Co nur abzuwarten, bis den Krankenkassen mit Zusatzbeiträgen die Luft ausgeht.

Natürlich: Auch die Barmer GEK, die Techniker Krankenkasse müssen auf die Kostensteigerungen im Gesundheitswesen reagieren - doch sie können das in einer wesentlich komfortableren Position tun, sind durch die Mitgliederverlagerungen und die bessere Versichertenstruktur immer ein Stück weit besser aufgestellt - und werden daher das Rennen machen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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