Krankenkassen: Entlastungen der Krankenhäuser belastet Beitragszahler

Krankenhäuser: Fangprämien an Ärzte für Patienten

zuletzt aktualisiert: 22.05.2012

 

Fast jede vierte Klinik – 24 Prozent – zahlt Ärzten Fangprämien für die Überweisung von Patienten. Und die Ärzte stecken diese Zusatz-Honorare offenbar nur all zu gerne ein. Das zumindest ist der Eindruck, der sich nach einer repräsentativen Studie der Uni Halle-Wittenberg aufdrängt. Der kollektive Aufschrei ist enorm – besonders in der Politik.

 

Über 1100 niedergelassene Ärzte, nichtärztliche Leistungserbringer und stationäre Einrichtungen wurden im Rahmen der Studie befragt – mit aufsehenerregendem Ergebnis: Fast jede vierte Klinik zahlt Prämien für überwiesene Patienten, nahezu die Hälfte der nichtärztlichen Leistungserbringer gab zu, schon Vergünstigungen erhalten – und angenommen – zu haben. Zu den nichtärztlichen Leistungserbringern gehören etwa orthopädische Schumacher, Hörgeräte-Akkustiker und Sanitätshäuser.

Fangprämien für Patienten entrüsten Politiker

Fraktionsübergreifend melden sich erwartungsgemäß auch Stimmen aus der Politik zu Wort, die die offensichtlich herrschenden Zustände kritisieren und Gesundheitsminister Daniel Bahr zu sofortigem Handeln auffordern. Karl Lauterbach von der SPD spricht von mafiösen Verhältnissen, die Patienten, die auf diese Weise in nicht optimale Behandlungen geraten, einen immensen Schaden zufügen.

 

Die Überweisung des Patienten sei nicht mehr von der Qualität des Arztes, sondern von der Höhe der Fangprämie, des Schmiergeldes also, abhängig.

Medien berichten, dass die SPD Lauterbach zufolge sich dafür einsetzen will, dass Ärzte künftig in derartigen Fällen wegen Bestechlichkeit strafrechtlich belangt werden können.

Auch Jens Spahn von der CDU hebt die Illegalität der Fangprämien hervor und beklagt, dass es nicht mehr um das Wohl des Patienten, sondern um das Geld der Ärzte gehe.

 

Mangelhafte Kontrolle und geringes Sanktionsrisiko

Die Ärzte ihrerseits sind Medienberichten zufolge erstaunlich uninformiert: Mit 19 Prozent der Befragten gab knapp ein Fünftel an, das Verbot, sich an einer Patientenzuweisung zu bereichern, nicht zu kennen. Weitere 40 Prozent der Befragten kannten das Verbot zwar – verstanden es aber nicht als Verbot, sondern allenfalls als „Handlungsempfehlung“.

Dabei geht ein Großteil der betroffenen Mediziner und nichtärztlichen Leistungserbringer davon aus, aufgrund mangelhafter Kontrolle nur ein geringeres Risiko für Sanktionen einzugehen, wenn sie von den Kliniken Fangprämien für die Überweisung von Patienten annehmen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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