GEZ-Reform: wie die Berichterstattung der Medien die Notwendigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks beweist.

Meinung & Kommentar

 

Kaum beschließen die Ministerpräsidenten die Neuregelung der Rundfunkgebühr, rauscht es mächtig im Blätterwald, schreien die privaten Medien wieder auf und setzen sie zum großen Heulen an. Leider tun sie das mit oftmals eklatanter Unkenntnis – was noch wohlwollend gemeint ist, will man den schönen Begriff der “gezielten Desinformation” vermeiden. So zeigen gerade die unqualifizierten Berichte und Kommentare mancher privater Medien, wie wichtig der öffentlich-rechtliche Rundfunk gerade heutzutage ist – trotz aller Macken, die das System zweifelsohne hat und die anzuprangern durchaus berechtigt wäre. Doch den privaten Medien geht es offenbar weniger um die strukturellen Mankos der öffentlich-rechtlichen Sender oder um Defizite in deren Berichterstattung – sie prangern lieber den Bereich an, der ihnen selbst ein Dorn im Auge ist, weil sie daran nicht partizipieren – die Gebührenfinanzierung. Auch hier gibt es sicherlich Verbesserungspotential, keine Frage. Aber um wirklich mitreden zu können, sollte man auch wissen wovon man überhaupt redet – und genau daran sind nicht selten Zweifel angebracht.

“Focus”: Haushaltsabgabe “Einnahmeplus für die Regierung

So entblödet der Kommentator des “Focus” (Online-Ausgabe, wie auch bei den anderen hier genannten Medien) sich nicht, nach der Schilderung der für die Unternehmen geltenden Änderungen zu schlussfolgern: “Für große Firmen würden das bedeuten, dass sie deutlich mehr zahlen müssen als bisher. Ein weiteres Einnahmeplus für die Regierung.” Für die Regierung? Der Focus glaubt also ernsthaft, die Rundfunkgebühren wanderten ins Säckel des Finanzministers? Da hat sich jemand mit dem Thema offensichtlich nicht genügend auseinandergesetzt – was sich auch in der kritiklosen Adaption der Aussage des Ministerpräsidenten Beck zeigt, dass “auch die bei Schwarzsehern gefürchteten Kontrollen der Rundfunkgebührenbeauftragten vor Ort” wegfallen sollen.

 

 

 “Die gebührenpflichtigen Bürger ließen sich dank der neuen Haushaltsabgabe stattdessen einfach über das Einwohnermeldeamt ausfindig machen.” Was leider Unsinn ist – denn über die in einem gemeinsamen Haushalt zusammenlebenden Personen (für die neue Gebührenpflicht nun einmal entscheidendes Kriterium) vermag das Einwohnermeldeamt gar keine Aussagen zu machen – lediglich die Anschrift einzelner Bürger ist dort erfasst, was vom örtlichen Amt denn dann auch anlässlich  einer telefonischen Rückfrage bestätigt wurde. Aber zur Ehrenrettung des Focus-Kommentators: die meisten Medien fielen darauf herein, er steht damit bei weitem nicht allein.

 

“Stern”: Fehleinschätzungen und verdeckte Klientel-Berichterstattung

Ähnlich gedanken- und kritiklos übernimmt  zum Beispiel auch der Kommentator des “Stern” diese Position: “Vorbei sind die verhassten Besuche der ungeliebten Gebührenfahnder”, schreibt er, was nach gegenwärtigem Kenntnisstand der zu erwartenden Realität widerspricht. Wenigstens macht er klar, woher der Wind weht: “Doch Verleger und Privatsender dürften die Entscheidung nicht gerade für zeitgemäß halten. Sie hofften seit langem auf eine Schwächung der sechs Jahrzehnte alten Regelung” Hier hat der “Stern”-Mann durchaus Recht – nur vergisst er vorsichtshalber zu erwähnen, dass er und sein Blatt selbst ebenfalls zu diesem erlauchten Zirkel gehören. Und angesichts der Verwendung der dritten Person, schildernd als quasi Unbeteiligter, ist “vergessen” noch ein sehr wohlwollender Begriff...

“Bild”: Stimmungsmache, Fehlinformation, fragwürdige “Experten”

Die “Bild” wiederum wird ihrem Ruf gerecht und inszeniert pure Stimmungsmache: “Neue TV-Steuer muss billiger werden” fordert sie publikumswirksam und führt mit der Vizepräsidentin des EU-Parlaments Koch-Mehrin, dem “Medienexperten” Müller-Sönksen (immerhin einer der ersten, die erkannten, dass die Kontrollen auch im neuen System notwendig sein werden, wenngleich er deren Ausmaß maßlos übertreibt) und der “medienpolitischen Sprecherin” Brand-Hückstädt gleich drei mehr oder minder bekannte Fürsprecher an. Dumm nur, dass gleich alle drei derselben Partei, nämlich ausgerechnet der  FDP angehören, die in der jüngeren Vergangenheit ohnehin mit der Forderung nach einer Auflösung der GEZ vorgeprescht ist. Und die angesichts ihrer desolaten Umfrageergebnisse dringend auf der Suche nach Themen ist, die sie endlich aus dem Umfragetief wieder herausholen können. Ausgewogenheit? Fehlanzeige. Seriöser Journalismus? Sieht anders aus – aber dort würde man auch nicht unzutreffenderweise von einer “TV-Steuer” schreiben, wie es die “Bild” tut.

 

Allerdings passt diese Form der Berichterstattung im wahrsten Sinne des Wortes “ins BILD” – denn in einem anderen Artikel findet sich dann auch prompt die Zeile “Bestenfalls steht noch ein Beamter vor der Tür und fragt höflich nach versteckt gehaltenen Rundfunkgeräten.” Ein Beamter? Das wären viele der Beauftragten der Sender vermutlich gern, was allerdings ein Traum bleibt. Die sind ja nicht mal Angestellte, liebe BILD! Und wo wir gerade dabei sind: “WAS WIRD AUS DEM RIESIGEN GEZ-APPERAT? 1125 Mitarbeiter, jährliche Kosten von 164 Millionen Euro. Das einzusparen, bedeutet für die Bundesregierung ein dickes Plus für ihr Sparpaket.” Wörtliches Zitat, buchstabengetreu, nebenbei bemerkt! Also die Bundesregierung zahlt diese 164 Millionen bislang? Das sollte mal jemand Herrn Schäuble sagen, den Posten hat er bislang auf seiner Streichliste vergeblich gesucht...  Davon einmal abgesehen ist die Verlagerung des Gebühreneinzugs auf andere Stellen (wie z.B. dem anscheinend laut Bild nutznießenden Finanzamt) neben anderen Gründen unter anderem auch daran gescheitert, dass andere Einzugswege teurer gewesen wären als das so oft gescholtene Verfahren mittels der GEZ, die obendrein im Zuge ihrer “Werbemaßnahmen” auch durch die auf diesem Wege erreichten Neuanmeldungen die verbleibenden Kosten mindern hilft.

Berichterstattung zeigt: öffentlich-rechtlicher Rundfunk ist wichtiger als je zuvor

Wie man unschwer erkennen kann, fühlt sich so mancher berufen, unter dem Deckmantel des Journalismus Online-Seiten zu füllen. Dem journalistischen Anspruch gerecht werden - das schaffen leider nur wenige. Was manchem privaten Medium sicher nichts ausmacht – die Quote ist gesichert, die Meinung wurde gemacht – das reicht vielen schon. Verständlich – dient es doch auch dem eigenen Zweck. Allerdings zeigt diese Form der (häufig unqualifizierten) Berichterstattung, zumal in einer Zeit, in der quasi jeder Depp (wie – zugegebenermaßen - der Autor selbst) seinen Sermon in die vernetzte Online-Welt schleudern kann, eins ganz klar: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist wichtiger als jemals zuvor!

Er ist – wenn auch mit zahlreichen Macken behaftet und bei weitem nicht perfekt – eine der letzten verbliebenen Bastionen gegen die fortschreitende kollektive Verblödung in Zeiten von Nachmittags-Talkshows, DSDS und Sensationsjournalismus, bei dem nur noch die werbepreissteigernde Quote und/oder Schlagzeile zählt.

 

Nur eine Meinung. In diesem Sinne!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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