Eifersucht bekämpfen

Eifersucht bekämpfen: was tun?

So richtig einig sind sich die Experten ja scheinbar nicht, woran die Sache mit der Eifersucht nun wirklich liegt. Die einen vertreten eher evolutionäre Gründe als Standpunkt, andere verleugnen sie ganz, wieder andere sagen, die Ursachen der Eifersucht lägen in einem zu geringen Selbstwertgefühl begründet. Die Wahrheit wird wohl irgendwo dazwischen liegen, von der Sache mit der Verleugnung mal abgesehen. Nur – wie kann man die Eifersucht bekämpfen? Das ist für Betroffene viel interessanter als die Frage, wo die Eifersucht denn nun eigentlich herkommt.

Und doch dürfte der Kampf gegen die Eifersucht genau hier beginnen, denn wer zu der Entscheidung kommt, dass er etwas gegen die Eifersucht tun will (oder muss), der braucht einen Ansatzpunkt. Die Eifersuchtsausbrüche selbst sind nur das Resultat, nicht die Ursache. An den Symptomen herumdoktern wird keinen nachhaltigen Erfolg bringen.

Kommen wir als erstes  zu den Evolutionstheoretikern. Die vertreten oftmals die Ansicht, dass Eifersucht nichts anderes ist als eine Art Schutzreflex. Entstanden sei dieser bei Frauen durch die berechtigte Sorge, dass der fremdgehende Mann sich in seine neue Sexualpartnerin verlieben könnte und sie verlässt, so dass sie mit dem Nachwuchs schutzlos allein dastünde. In der Frühzeit des Menschen quasi ein Todesurteil für sie selbst und den Nachwuchs und somit ein guter Grund, mit Argusaugen auf das Treiben des Partners zu achten, um eine drohende Gefahr frühzeitig abwehren zu können.

 

 


Der Mann hingegen habe Eifersuchtsverhalten entwickelt, weil er nicht Gefahr laufen wollte, viel Zeit und Ressourcen in die Aufzucht eines Kindes zu investieren, das womöglich gar nicht sein eigenes war. Bei ihm ging es also darum, ein Kuckuckskind zu vermeiden – übrigens auch heutzutage immer wieder aktuelles Thema.

Die Erklärung hat einiges für sich – vor allem macht sie uns jedoch klar, dass Eifersucht eigentlich etwas völlig Normales ist, etwas, das seit jeher zur Natur des Menschen gehört und biologisch auch Sinn macht – so lange sie in normalen Bahnen verläuft und nicht krankhaft wird. Dann allerdings ist es an der Zeit, etwas gegen seine (krankhaften) Eifersuchtsausbrüche zu tun und sie zu bekämpfen. Allerdings dürfte es sich dann auch um eine Erscheinungsform handeln, die mit dem biologischen “Urprogramm” nicht mehr viel gemeinsam hat und bei der der Grund der Ausprägung im betroffenen Menschen selbst liegt.

Was sagt denn die Psychologie dazu? Hier wird die Eifersucht oft als eine Art Verlustangst beschrieben. Eine Verlustangst, die unterschiedliche Ursachen haben kann, bis hin zur Projektion der eigenen ausgeprägten und sich selbst nicht eingestandenen Neigung zur Untreue auf den an sich treuen Partner. Auch die Interpretation der Eifersucht als Ausdruck von Abhängigkeit einerseits und Besitzanspruch andererseits ist nicht ungewöhnlich. Hilft dem Betroffenen das weiter? Geben ihm solche Erklärungen die Mittel an die Hand, seine Eifersucht erfolgreich zu bekämpfen?

Vielleicht. Wie wir zuvor schon gesehen haben, gibt es zum einen gute Gründe, evolutionäre Wurzeln der Eifersucht zu vermuten. Mit guten biologischen Gründen für ihr Vorhandensein. Ist die Eifersucht allerdings so stark ausgeprägt, dass der eifersüchtige Partner sich gezwungen sieht, etwas gegen seine Eifersucht zu tun, liegt die Vermutung nahe, dass die Ursache in seiner Person selbst liegt.

Den aufgeführten (und bei weitem nicht vollständigen) Erklärungsansätzen folgend, könnte es sich beispielsweise um die Projektion eigener Neigung zur Untreue auf den Partner handeln, die die übersteigerte Eifersuchtsreaktion auslöst. Da Betroffene sich ihre Neigung oftmals selbst nicht eingestehen können (sonst käme es kaum zur Projektion), kann in solchen Fällen wohl nur professionelle Hilfe – also quasi die Eifersucht therapieren - ein Weg aus der Krise sein – wenn man die Krise denn überhaupt erkennt. Ob man jedoch erfolgreich mit professioneller Hilfe gegen die Eifersucht vorgehen, sie “therapieren” kann, wird nicht zuletzt davon abhängen, ob es gelingt, die Augen dafür zu öffnen, dass nicht der Partner Anlass für die Eifersucht gibt, sondern dass die eigene untreue Neigung der Nährboden für das Problem ist.

Spielt die eigene Neigung zur Untreue dagegen keine Rolle und handelt es sich eher um eine ausgeprägte Verlustangst, die die Eifersucht entstehen lässt, sollte wohl die Klärung der Frage nach der Ursache für die große Verlustangst im Vordergrund stehen. Was aber kann Grund für eine solch stark ausgeprägte Verlustangst sein? Vermutlich am ehesten das Gefühl, den Partner “gar nicht verdient zu haben”, also sich selbst so gering zu schätzen, dass man sich selbst seines Partners nicht wert erachtet. Letztlich würde es sich dann also um ein zu geringes Selbstwertgefühl und –bewusstsein handeln, und das genau ist der Punkt, an dem den Hebel anzusetzen lohnend erscheint.

Da es für die desolate Selbsteinschätzung jedoch meist Gründe gibt – denn ein geringes Selbstwertgefühl kommt ja nicht von selbst – kann es unter Umständen ein schmerzhafter Prozess werden, sich mit diesen Ursachen auseinanderzusetzen, bis man erkennt, dass die bisherige Selbstwahrnehmung schlicht falsch war – und ein neues, starkes, gesundes Selbstbewusstsein aufbaut.

Auch in diesem Fall sollte im Zweifel der Gang zum Therapeuten nicht gescheut werden, damit es gelingt, die liebgewonnenen Scheuklappen abzusetzen. Auch wenn man vielleicht lieber auf gute Freunde bauen möchte – so manches möchte man Freunden dann doch nicht erzählen, gerade, wenn man ohnehin ein geringes Selbstwertgefühl hat und sich womöglich sorgt, was die Freunde von einem denken und untereinander erzählen könnten (wäre diese Sorge berechtigt, sollte sich allerdings die Frage nach dem Wert dieser Freunde stellen).

Was auch immer der Auslöser ist: es wird kaum etwas bringen, die Eifersucht selbst bekämpfen zu wollen – die eifersüchtigen Ausbrüche selbst dürften meist nur der unangenehme sichtbare Teil eines tieferliegenden Problems sein, das in der eigenen Persönlichkeit schlummert. Ähnlich einem Eisberg, bei dem 9/10 unter der Wasserfläche lauern und nicht sichtbar sind – aber die eigentliche Gefahr darstellen. Die übertriebene Eifersucht scheint bei Lichte betrachtet lediglich ein unangenehmer Indikator dafür zu sein, dass man mit sich selbst nicht wirklich im Reinen ist. Dagegen gilt es, etwas zu tun – nicht gegen die Eifersucht selbst. Die dürfte sich kaum therapieren lassen, solange Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein am Boden liegen.
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

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