DAK-Mitgliederschwund

DAK - Krankenkasse vor dem Aus?

zuletzt aktualisiert: 02.02.2011

DAK: Zusatzbeitrag, Mitgliederschwund, kippende Versichertenstruktur, Stellenabbau

Bereits im vergangenen Jahr gab es Spekulationen über eine drohende Insolvenz der Deutschen Angestellten Krankenkasse. Natürlich wies die DAK solche Berichte energisch zurück und verwies auf ihren im ersten Quartal 2010 erzielten Überschuss. Doch nun erhalten die Gerüchte um die Schieflage des Kassenriesen DAK neue Nahrung.

DAK-Chef ­Rebscher betonte noch im Juni 2010 in einem Bericht des “Tagesspiegels” die seriöse Kalkulation der DAK. Schließlich habe die Kasse im ersten Quartal des letzten Jahres einen Überschuss erwirtschaftet. Dieser lag bei 31 Millionen Euro. Zugegeben, das klingt nach viel, gerade im krisengebeutelten Gesundheitssystem. Doch angesichts der damals etwa 4,9 Millionen Versicherten der DAK machten die 31 Millionen Euro auf das einzelne Mitglied gerade einmal etwa 2,10 Euro pro Monat aus – eine reichlich dünne Decke angesichts geschätzter gut 200 Euro durchschnittlicher monatlicher Kosten pro Versicherten in der GKV. Und seitdem ist viel passiert.

 

Denn inzwischen sind aus den 141.000 Mitgliedern, die die DAK in den ersten vier Monaten des vergangenen Jahres unter dem Strich verloren hatte, satte 450.000 abgewanderte Mitglieder geworden. Eine Folge des von der DAK erhobenen Zusatzbeitrages von 8 Euro. Die Mitglieder nutzten die Chance, die ihnen das Sonderkündigungsrecht bot, und zeigten der DAK in Scharen die Rote Karte.

 

Versichertenstruktur der DAK wird problematisch

Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, offenbart sich auf den zweiten Blick ein noch wesentlich größeres Ausmaß dieses Desasters. Denn es sind nicht nur die massenhaft flüchtenden Mitglieder alleine – auch die Beitrags- und Kostenstruktur verschiebt sich dramatisch. Schon Mitte 2010 beklagte DAK-Chef Herbert ­Rebscher, es sei problematisch, dass es gerade junge und gesunde Mitglieder  wären, die auf den “radikalen und politisch gewollten Preiswettbewerb” reagierten. Mit anderen Worten: Es sind überwiegend junge und gesunde – also wenig Kosten verursachende – Mitglieder, die abwandern. Schätzungsweise 9% ihrer Mitglieder hat die DAK seit der Einführung des Zusatzbeitrags verloren, und das vor allem im Bereich der Netto-Zahler, derjenigen, die Beiträge bringen, aber kaum Kosten verursachen.

Zwangsläufig steigt damit der Versicherten-Anteil, der überproportional hohe Kosten verursacht. Und es stellt sich genauso zwangsläufig die Frage, ob angesichts dieser Entwicklung der im ersten Quartal erwirtschaftete Überschuss von umgerechnet etwa 2,10 Euro je Mitglied ausreicht, um eine mehr als bedrohliche Schieflage zu vermeiden – wenn denn dieser Überschuss denn auch für die Zeit nach dem ersten Vierteljahr 2010 Bestand gehabt haben sollte, woran doch starke Zweifel angebracht sein dürften.

Insgesamt kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es um die Zukunft der Deutschen Angestellten Krankenkasse alles andere als gut bestellt ist. All zu überrascht sollte man daher nicht sein, wenn in absehbarer Zeit mit der DAK eines der größten Unternehmen der GKV in die Pleite schlittert. Drastisch einbrechende Beiträge, ein steigender Anteil an kostenintensiven Mitgliedern, das Ganze bei seit Jahren ansteigenden Gesamtkosten im Gesundheitswesen – das klingt nicht gerade nach einer soliden Basis, auf die man auch in Zukunft bauen könnte.

Allerdings ist den Medien zu entnehmen, dass gegenwärtig Verhandlungen über einen “sozialverträglichen” Stellenabbau bei der DAK laufen. Nach dem Abbau von 650 Vollzeitstellen bei der DAK im vergangenen Jahr scheint man also noch zu hoffen, die Krise der DAK mit Personalabbau auffangen oder zumindest mildern zu können. Ob das gelingen wird, bleibt abzuwarten. Denn die Einsparungen durch Stellenabbau dürften bei der DAK nur einen kleinen Bruchteil der weggebrochenen Beitragseinnahmen ausmachen - der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein.

Denn legt man das voraussichtliche Durchschnittseinkommen aller Versicherten in der allgemeinen Rentenversicherung von umgerechnet 2.522,33 Euro (Quelle: bundesregierung.de, anteilig vom Jahreswert) monatlich zugrunde, dann ergibt sich bei einem Beitragssatz von derzeit 15,5 % ein Beitrag von durchschnittlich knapp 391 Euro. Hochgerechnet auf 450.000 verlorene Mitglieder ergeben sich Beitragsverluste von schätzungsweise 175,93 Millionen Euro monatlich. Ohne Zusatzbeitrag. Selbst wenn einige Faktoren unberücksichtigt bleiben und der Wert von über 175 Millionen Euro zu hoch angesetzt wäre, lässt sich die Dimension der Beitragsverluste ersehen. Selbst die Hälfte dieses Wertes wäre angesichts der Personaleinsparungen noch dramatisch, wie die nachfolgenden Zahlen zeigen.

Den Beitragsverlusten gegenüber stehen die Einsparungen durch Personalabbau. Bei angenommenen 5.000 Euro, die die DAK pro abgebauten Arbeitsplatz einspart, hat sie bei 650 abgebauten Stellen im letzten Jahr monatlich etwa 3,25 Millionen Euro einsparen können. Dieser Wert mag sich im Zuge von Nebeneffekten noch erhöhen. Nochmals sei erwähnt, dass die Zahlen nur sehr grob geschätzt und nur beispielhaft sind; so mancher Aspekt blieb dabei außer Acht. Allerdings ist auch nicht bekannt, wie sich die oben erwähnten Verschiebungen in der Versichertenstruktur auswirken. Denn natürlich verursachen abgewanderte Mitglieder auch keine Behandlungskosten mehr - aber folgt man den letztjährigen Äußerungen, dann sind ohnehin überwiegend junge und gesunde Mitglieder vor dem Zusatzbeitrag der DAK geflohen. Die Kostenseite dürfte daher nicht annähernd so stark entlastet worden sein, wie die Beitragsseite gelitten hat.

So bestätigt der Stellenabbau bei der DAK zwar deutlich, dass die DAK zu drastischen Sparmaßnahmen gezwungen ist - doch mit welchen weiteren Maßnahmen die herben Beitragsverluste kompensiert werden sollen und können, dazu ist bislang wenig bekannt geworden.
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verlinke oder bookmarke diesen Artikel!:

 

Delicious Bookmark this on Delicious

 

 

Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen

 

 

 

Kassenchefs greifen DAK an

Doch keine Abschaffung des Zusatzbeitrags bei der DAK?

DAK schafft Zusatzbeitrag in 2012 ab

DAK Hamburg: Fusions-Erfolg zweifelhaft

DAK Fusion mit BKK Gesundheit beschlossen. “DAK - Gesundheit” kommt zum Jahreswechsel

DAK: Fusion mit BKK Axel Springer zum Jahreswechsel 2011/2012

DAK-Urteil: Zusatzbeitrag unwirksam

Erneut Fusionsgespräche zwischen DAK und BKK Gesundheit

DAK rudert bei Medikamenten-Empfehlung zurück

DAK-Medikamenten-Empfehlung sorgt für Ärger

DAK mit 188 Millionen Überschuss im 1. Quartal 2011

DAK: mäßige Leistungen trotz hohem Beitrag?

DAK: Gewerkschaft ver.di empört über Vorgehen der DAK

DAK - App MedMerker verfügbar

DAK: Schieflage oder Überschuss in 2011?

Widersprüchliche Meldungen zur Lage der DAK - weiterer Stellenabbau angekündigt

DAK: Stellenabbau

DAK: Stellenabbau auch in 2011

DAK: Abrechnungsbetrüger entlarvt

DAK: Mitgliederschwund

Kündigungshilfe von der DAK

Kündigungsfristen bei der DAK

Anschrift DAK

Krankenkasse: Krankengeld

Beitrag gesetzliche Krankenkasse

In der Krankenkasse als Student

 

Weitere Meldungen, Artikel und Berichte