DAK Hamburg

DAK Hamburg - Kassenriese mit Schlagseite

zuletzt aktualisiert: 20.02.2011

Die DAK Hamburg gehört zu den ganz Großen am Krankenkassen-Himmel, doch in letzter Zeit musste der Kassenriese herbe Rückschläge einstecken.

Bei der Einführung des Zusatzbeitrages scheint man sich bei der DAK Hamburg verschätzt zu haben: Nicht nur, dass über 450.000 Mitglieder die Forderung nach mehr Geld mit ihrem Abschied quittiert haben, auch die Verteilung der fliehenden Mitglieder gibt Anlass zur Sorge. Gerade die jungen und gesunden Kassenmitglieder sind es laut Medienberichten, die sich schleunigst zu einer anderen, preiswerteren Krankenkasse absetzen. Das birgt zusätzliche Probleme. Denn das Beitrags-/Kosten-Verhältnis verschiebt sich bedenklich, wenn die Kostenverursacher bleiben und überwiegend Netto-Beitragszahler sich von der DAK Hamburg abwenden - gerade diese Mitglieder könnten die Kosten auffangen, die ältere Versicherte naturgemäß verursachen.

Zwar hat die Beitragssatzerhöhung auf 15,5 % den Kassen satte Mehreinnahmen beschert, doch haftete der DAK schon zuvor der Ruf an, finanziell nicht optimal aufgestellt zu sein. Die Medien spekulierten schon länger über eine bevorstehende Insolvenz, und die Konkurrenz bekannte freimütig, bereits in Planspielen die Kosten einer Pleite der Hamburger DAK durchgerechnet zu haben. Die Mehreinnahmen aus der Beitragssatzerhöhung dürfte der Krankenkasse sehr gelegen gekommen sein, doch ob die drastischen Beitragsverluste durch Mitgliederkündigungen und Verschiebungen in der Versichertenstruktur auf Dauer aufgefangen werden können, darf bezweifelt werden.

 

Die Befürchtung, die Einführung des Zusatzbeitrages habe möglicherweise einen Teufelskreis in Gang gesetzt, aus dem sich die Kasse nicht wieder wird befreien können, scheint nicht von der Hand zu weisen. Denn die Einführung eines Zusatzbeitrages erfolgt in aller Regel, weil die jeweilige Krankenkasse das zusätzliche Geld braucht, um ihre Leistungen erfüllen zu können - also,weil sie bereits klamm ist. Wenn Zusatzbeiträge nun zu einer verstärkten Flucht besonders der jungen und gesunden Beitragszahler führen und sich somit die Versichertenstruktur verschiebt, dann dürfte die Folge sein, dass der Überhang von kostenintensiven Mitgliedern und die Kosten des medizinischen Fortschritts einen weiteren Kostendruck verursacht. Ein Kostendruck, der dann auf Sicht wohl die Erhöhung des bestehenden Zusatzbeitrages notwendig werden lassen dürfte, was wieder verstärkte Mitgliederabwanderungen provoziert - bis irgendwann der Punkt erreicht ist, an dem die Kasse aufgeben muss.

Sollte diese Befürchtung zutreffend sein, dann könnte die DAK Hamburg mit ihrem früh eingeführten Zusatzbeitrag die Büchse der Pandora geöffnet haben. Zumal der Teufelskreis auch eine zweite unangenehme Seite hat: Denn andere Kasse gewinnen durch die Abwanderungen der DAK besonders eben jene jungen und gesunden Mitglieder hinzu. Im Gegensatz zur DAK Hamburg verringert sich damit also der Kostendruck bei diesen Kassen - was ein Wettbewerbsvorteil ist und die Chance beinhaltet, noch länger auf Zusatzbeiträge verzichten zu können. Somit könnte sich die DAK Hamburg einen dauerhaften Wettbewerbsnachteil eingehandelt haben, als sie ihren Mitgliedern die Zusatzabgabe abverlangte.

Die Kassen ohne Zusatzbeitrag freut´s - und die Kassenvergleiche im Internet ebenso. Knapp 100 Euro Zusatzabgabe im Jahr lassen eben viele Mitglieder über einen Kassenwechsel nachdenken, zumal wenn die Einführung der Zusatzbeiträge dem Versicherten ein Sonderkündigungsrecht beschert. Dann ist der Kassenwechsel meist schnell und unkompliziert erledigt. Aber auch sonst sind die Kündigungsbedingungen inzwischen derart mitgliederfreundlich, dass kaum jemand länger als knapp drei Monate warten muss, bis er bei der neuen, billigeren Kasse ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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