DAK- Überschuss - Schieflage

DAK - Schieflage oder
Überschuss in 2011?

zuletzt aktualisiert: 17.04.2011

DAK: enorme Schieflage oder auf einem guten Weg?

Es ist schon eine aberwitzige Situation: In den Medien kursieren jede Menge Negativmeldungen über die DAK Hamburg, die an einer gesunden finanziellen Situation der Hamburger Krankenkasse zweifeln lassen - die DAK selbst dagegen sieht sich auf einem “guten Weg” und bestreitet finanzielle Probleme.

Gerade erst hat sich Karl Lauterbach von der SPD zu Wort gemeldet, er rechne bei den gesetzlichen Krankenkassen mit Zusatzbeiträgen von bis zu 50 Euro im Monat bis zum Jahr 2017. Garniert hat er das mit dem Zusatz, dass Kassen, die zu Zusatzbeiträgen gezwungen seien, vom Markt verschwinden würden, während Kassen ohne Zusatzbeitrag bessere Überlebenschancen hätten. Geht es nach dem SPD-Mann, dann sind die Zeiten für die DAK nicht eben rosig - denn diese hatte als eine der ersten Kassen den Zusatzbeitrag eingeführt und kassiert seitdem monatlich zusätzlich 8,- Euro von ihren Mitgliedern.

 


Dummerweise sehen die Mitglieder das nur bedingt ein - über 300.000 Mitglieder haben der DAK im letzten Jahr bereits den Rücken gekehrt, und in den ersten beiden Monaten des aktuellen Jahres sollen es abermals - allerdings unbestätigte - 30.000 Mitglieder gewesen sein, die vor dem Zusatzbeitrag geflohen sind. Hinzu kommt, dass auch die verbleibenden Mitglieder den Zusatzbeitrag nur sehr unwillig zahlen: 5% der Mitglieder sollen die Zahlung bislang verweigert haben, meldet “DerWesten”. Das macht etwa 220.000 Mitglieder und bis März ca. 20 Millionen Euro, auf die die DAK Hamburg verzichten musste. Was sie allerdings nicht länger tun will - die DAK hat Medienberichten zufolge als erste Krankenkasse damit begonnen, per Pfändung die ausstehenden Zusatzbeiträge eintreiben zu lassen. Andere Kassen haben bislang wohl auf dieses Mittel verzichtet, mit dem die DAK sich abermals nicht eben beliebt machen wird.

DAK: Pfändung von Zusatzbeiträgen, Sparzwang, Verhandlungen über Notfall-Tarifverträge - aber “auf einem guten Weg”?

Auch die “WELT ONLINE” meldete im März 2011, die DAK werde vom Bundesversicherungsamt zum Sparen gedrängt und müsse Verwaltungs- und Personalkosten, gegebenenfalls auch die Ausgaben für Leistungen, senken. Die Rücklagen der DAK sind der Meldung zufolge nahezu aufgebraucht, womit sich indirekt auch die Berichte der mixed-zone.de bestätigen würden, die schon seit längerem eine mögliche finanzielle Schieflage der DAK vermutet hatte. Auch andere Medien blasen ins gleiche Horn und trauen der finanziellen Situation der DAK nicht.

Vor diesem Hintergrund wundert es, wenn ein Sprecher der DAK gegenüber der Rheinischen Post Finanzprobleme dementiert und für 2011 eine Überschusserwartung von 200 Millionen Euro vermeldet. Es passt auch nicht zu der - ebenfalls in der Rheinischen Post erschienen - Meldung, dass VERDI mit mehreren Krankenkassen, darunter auch die DAK, über einen Notfall-Tarifvertrag und damit über Lohnsenkungen verhandeln würde. Allerdings stellte VERDI die Kassen vor erhebliche Probleme - denn Voraussetzung für das Entgegenkommen soll die Offenlegung ihrer Finanzen sein, damit der damit beauftragte Notfall-Ausschuss die Gründe für die Notlage überprüfen kann. Was den betroffenen Kassen kaum recht sein dürfte, erführen dann doch Mitarbeiter, Mitglieder und Konkurrenten, wie es tatsächlich um die betroffenen Kassen steht.

Wenn eine Krankenkasse finanzielle Schwierigkeiten dementiert und sogar Überschüsse in dreistelliger Millionenhöhe in Aussicht stellt - wieso verhandelt sie dann über Notfallpläne mit der Gewerkschaft, fragt man sich da. Wobei die vermeintlichen Überschüsse mit großer Vorsicht zu betrachten sein dürften - denn zum einen handelt es sich eben nur um Erwartungen, von denen abzuwarten bleibt, ob sie sich überhaupt erfüllen. Zum anderen aber sind 200 Millionen Euro  zwar sicherlich eine Menge Geld - aber umgerechnet auf etwa 4,5 Millionen Mitglieder und 6 Millionen Versicherte (sofern diese Angaben stimmen) ergeben sich damit als Überschuss gerade einmal knapp 45 Euro pro Mitglied beziehungsweise gut 33 Euro pro Versicherten - pro Jahr! Wie groß dieser finanzielle Puffer - sollte er überhaupt zutreffend sein - angesichts eines Milliarden verschlingenden Gesundheitssystems tatsächlich ist, mag jeder für sich selbst ermessen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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