innerer reichsparteitag

Müller-Hohenstein´s “innerer Reichsparteitag” im ZDF – wenn die deutsche Betroffenheit wieder durchgeht.

 

Zugegeben, Katrin Müller-Hohenstein (KMH) hätte ihre Wortwahl sicherlich intelligenter treffen können, auf die selbstgerechten Gefühle manches Zuschauers mehr Rücksicht nehmen können – aber weitaus schwerer als Müller-Hohenstein´s Formulierung vom “inneren Reichsparteitag” für Klose wiegt die vermeintliche Entrüstung der Volksseele, beweist sie doch nur eins: dass für viele der laute Aufschrei an und für sich weitaus wichtiger ist als die Auseinandersetzung mit dem eigentlichen Gegenstand der Diskussion.

“Innerer Reichsparteitag”: spöttischer Begriff und gängige Floskel im Alltag

Der im Alltag gar nicht einmal so selten gebrauchte Begriff zeigt bereits bei kritischer Betrachtung selbst, wie er gemeint ist – und zwar  keineswegs als Verherrlichung der dunklen deutschen Vergangenheit. Der Ausdruck “innerer Reichsparteitag” beschreibt wohl eher, wie kritische Deutsche der Kriegsgeneration die Veranstaltungen empfanden: als übertriebene Inszenierung, als maßlose Zuschaustellung vermeintlicher Herrlichkeit – der Spott über die Veranstaltungen wohnt dem Ausdruck quasi von Natur aus inne. Und so findet sich den auch prompt im Wiktionary die Begriffserläuterung: “innerer Reichsparteitag - (spöttisch) etwas, das die bezeichnete Person mit Genugtuung erfüllt (Gefühl der inneren Zufriedenheit, nachdem jemand nach großem Auftritt nun von der Realität eingeholt wurde).”

 

Davon abgesehen ist es die weit verbreitete Unsitte und Gewohnheit unserer Zeit, den Begriff “Reichsparteitag” umgehend mit den Parteitagen der NSDAP in Verbindung zu bringen – die unzweifelhaft gerade mit dem erwähnten spöttischen Beigeschmack auch meist gemeint waren. Nur: ursprünglich waren die Nationalsozialisten nur eine Partei und nicht die einzige, die solche Veranstaltungen abhielten -  zum Beispiel ist auch über die Deutsche Volkspartei bekannt, dass sie Reichsparteitage abhielt, wie ein Wikipedia-Eintrag zeigt: “Dabei legte sie Wert darauf, sich nicht als Neugründung zu verstehen, sondern bloß eine Umgründung der bisherigen Nationalliberalen Partei zu sein, so Stresemann auf dem DVP-Reichsparteitag 1926 in Köln.”

 

Historisch: schlichtweg landesweiter Parteitag

Wiktionary weist denn auch darauf hin, dass der Begriff vor 1933 schlicht einen “deutschlandweiten” Parteitag bezeichnet, dessen heutiges Synonym der “Bundesparteitag” ist. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der “INNERE Reichsparteitag” auf Wikipedia erst am 14.06.2010 als Artikel angelegt wurde, dort aber sofort mit der  Kategorieseite “Sprache des Nationalsozialismus” verlinkt wird – eine Übersichtsseite mit diversen Begriffen zur NS-Terminologie, auf der der “innere Reichsparteitag” bis zum 14.06.2010 gar nicht auftauchte (weil, wie oben erwähnt, diese Seite gar nicht existierte”), jetzt aber plötzlich als direkter Link enthalten ist, obwohl für die Kategorieübersicht angeblich gilt: “Diese Seite wurde zuletzt am 3. Mai 2010 um 11:29 Uhr geändert.”  Ein Schelm, der Böses dabei denkt...

 

Hier wird – und das ist für Deutschland typisch – ein Thema unnötig medial aufgeblasen und von selbsternannten Gralshütern ethischer Grundsätze fast schon kriminalisiert. Teils wird andernorts schon das Karriere-Aus der ZDF-Moderatorin Müller-Hohenstein beschworen, denn Deutschland braucht Schlagzeilen. Ohne Schlagzeile keine Auflage, und so wird munter drauflos gedroschen. Dem nicht eben kleinen dafür empfänglichen Teil der Öffentlichkeit gefällts, es wird – den Online-Foren sei Dank - munter mitgemacht. Sicher – Müller-Hohenstein´s Formulierung hätte dezenter und konfliktvermeidender ausfallen können. Das Problem ist jedoch weniger der von ihr benutzte Ausdruck an sich, sondern vielmehr das Entsetzen, in dem sich so mancher ach so betroffene Zuschauer und Medienvertreter suhlt – ohne sich über den Begriff an sich auch nur im mindesten Gedanken zu machen. Eine Glorifizierung war er ganz sicher nicht – geschickt gewählt (hier wird seitens der Medien gerne Kloses Abstammung und Herkunft ins Feld geführt) allerdings sicher auch nicht.

Das war es aber auch schon. Für Pranger und öffentliche Hexenverbrennung besteht kein Anlass – es sei denn, die für die Hexenjagd verantwortlichen Medienvertreter würden sich selbst für diesen Zweck zur Verfügung stellen.

Nur eine Meinung. In diesem Sinne!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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